Im Blickpunkt Nr. 6
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Eine etwas andere Saison geht zu Ende

Nachdem unsere Saison mit zweimonatiger Verspätung erst im Mai starten konnte, war es der Segelabteilung des FC St. Pauli auch dieses Jahr möglich, trotz Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen einiges auf die Beine zu stellen, aber lest gerne selbst:

… im Erwachsenen-Bereich 

Nachdem wir bereits über unseren Erwachsenenkurs in den Sommerferien berichtet hatten, wuchs daraus die Idee, Segelkurse für Erwachsene auch außerhalb der Ferien zu etablieren. Mit Erfolg, wie der nachfolgende Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin zeigt!

„Der Einladung zum Infotreff „Erwachsenensegeln“ über Social Media folgten wohl zur Überraschung aller nahezu 20 Interessierten, und erschienen Anfang August im Clubheim. Nach einem kurzen „Hallo, ich bin Achim, ich bringe Euch das Segeln bei. Ich habe dienstags und mittwochs Zeit“ stand einigen Anwesenden kurz die Überraschung ins Gesicht geschrieben, war man doch davon ausgegangen, zunächst nur ein paar Informationen einzusammeln und sich dann irgendwann mal vielleicht auf die Alster zu begeben.

So fanden sich also gleich in der folgenden Woche an zwei Nachmittagen jeweils sieben bis zehn ehemals nur Interessierte auf der Alster wieder. Es stellte sich heraus, dass einige schon etwas mehr oder weniger Segelerfahrung hatten, andere waren vollkommene Neulinge auf dem Wasser. Unter der Aufsicht von Verena, Achim und Jonas wurden der Pirat „Herr von Bodefeld“, die FORZA und ein Motorboot als Begleitboot geentert und los ging’s.
In den folgenden sieben Wochen lernten wir aktiv die Boote und ihre Ausstattungen näher kennen, legten uns mit den wechselnden Windrichtungen auf der Alster an, umkreisten Bojen, reagierten umgehend auf ein, bzw. zwei Pfiffe aus Achims Trillerpfeife entsprechend mit Wende oder Halse und fischten Tennisbälle oder Kanister aus der Alster. Verena, Achim und Jonas begleiteten uns entweder auf dem Motorboot oder anfangs unterstützend mit an Bord auf der FORZA und dem Piraten.

Großartig war die Gemeinschaft unter den Segelnden: Wir haben viel voneinander und miteinander lernen können und es war sich niemand zu schade, auch das hundertste Mal die Frage nach der Windrichtung und andere Anfängerproblemchen in Ruhe zu klären. Alle Neulinge waren am Ende des Kurses in der Lage, ihr Boot segelfertig zu machen, auf die Alster hinaus zu segeln und in den Jollenhafen zurückkehren zu können. Ob das nun immer gekonnt und sicher ausgesehen hat, steht auf einem anderen Blatt, aber muss man schon ein Naturtalent sein, um nach einer so kurzen Zeit regattareif über die Alster zu kreuzen.
Leider ging mit Anbruch des Herbstes der Kurs zu Ende und Corona-bedingt mussten wir den über den Winter geplanten Theoriekurs absagen. Aber sicher werden wir uns - in welchen Konstellationen auch immer - in der kommenden Saison auf der Alster wiedertreffen.

Ein dickes Dankeschön geht an unsere Lehrer Verena, Achim und Jonas, die uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen und dafür gesorgt haben, dass alle sich gut aufgehoben gefühlt haben!

Auch für das nächste Jahr sind bereits die ersten Kurse in Planung! Informationen hierzu findet Ihr – wenn es soweit ist – über Twitter, Instagram, Facebook, den Blickpunkt und unsere Webseite.

 

… im Inklusions-Bereich

Neben vielen Teamtrainings auf unserer FORZA, konnten wir ab Sommer auch auf einer Fareast S/V14 unseres Kooperationspartners HSC (Hamburger Segel Club) trainieren. Auf diesem neuen inklusiven Boot-Typen haben wir dann auch mit je zwei FCSP-Teams an der größten Frauenregatta der Welt, dem Helga-Cup sowie dem Helga-Hard-Cup inklusiv teilgenommen.

Dabei haben wir den Spaß an Regatten für uns entdeckt. Durch unsere intensiven Trainingseinheiten und der Teilnahme an den Events haben wir als Team zueinandergefunden und einen noch stärkeren Teamgeist entwickelt.

Zum Saisonende waren wir dann auch noch bei der 1. Inclusion World Championship for Sailing (inklusive Weltmeisterschaft im Segeln) in drei Teams auf unserem Heimrevier, der Alster, erfolgreich am Start.

Die aktive Teilnahme an der neuen Inklusions-WM im Segeln war ein besonderes Highlight für alle und gelebte Inklusion auf dem Wasser. Zwei Segler*innen des FCSP sind jetzt international klassifiziert. Unsere Vorschoterin Silke Fossek ersegelte die erste Bronzemedaille und belohnte uns alle für eine großartige Segelsaison.

 

… im Jugendbereich

Nachdem es uns gelungen war in den Sommerferien sowohl Jollenkurse für Jugendliche als auch Opti-Kurse für Kinder anzubieten – wir berichteten bereits davon – konnten wir auch drei Tage in den Herbstferien mit den Jollen raus auf die Alster. Länger ging leider nicht, da uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte… Zwei Jugendliche haben im Folgenden einen Bericht mit ihren Eindrücken über ihre Saison bei uns in der Segelabteilung geschrieben:

„In den Sommerferien dieses Jahres haben wir an einem Segelkurs von der St. Pauli Segelabteilung teilgenommen. Wir hatten sehr viel Spaß und uns wurden in einer Woche die Segelgrundlagen gut beigebracht. An dem Montag sind wir zum ersten Mal in unser Boot gestiegen: Herr von Bodefeld. Wir sind zuerst um Bojen gepaddelt, welche im Wasser ausgelegen waren, um ein Gefühl für das Boot zu kriegen. Nach der Mittagspause sind wir mit den Trainern das erste Mal gesegelt. Enno (einer unserer Trainer) hat gesagt, dass er nicht schwimmen kann und deshalb segelt. Am zweiten Tag sind wir die ganze Zeit gesegelt. Am dritten Tag haben wir gelernt, wie man die Fock (das Vorsegel) benutzt. Am Donnerstag war es nun soweit; wir sind das erste Mal ohne Begleitung los gesegelt! Am Freitag sind wir das letzte Mal bei dem Segelkurs mit Herrn von Bodefeld gesegelt. Wir haben uns auch köstlich amüsiert, indem wir eine riesige Tennisball Schlacht veranstaltet haben. Wir sind noch danach dreimal vor den Herbstferien gesegelt, in welchen wir dann auch nochmal drei Tage mit unseren Trainern segeln konnten.“

Nachdem wir dieses Jahr einiges im Bereich Training und Ausbildung auf die Beine stellen konnten und dadurch eine beträchtliche Zahl an neuen Mitgliedern gewinnen konnten, musste ein weiteres Boot her, das sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene und Anfänger gut geeignet ist. So kam es, dass wir als Abteilung seit dem 12. Oktober dieses Jahres stolzer Besitzer eines Laser BAHIA sind! Wir haben das Boot bei der Firma Ziegelmayer im Osterbekkanal abgeholt und paddelnd auf die Alster gebracht. Unser großer Dank geht an die AFM, die den Kauf des Bootes finanziell unterstützt hat. Hierdurch ist es möglich, noch mehr Jugendarbeit aufzubauen!

Wir freuen uns schon sehr auf die Bootstaufe im nächsten Jahr… Zwei Ingenieure werden den Winter über versuchen, mithilfe eines 3D-Druckers eine Konstruktion zu entwickeln, dass auch auf dem Laser BAHIA ein Sitz montiert werden kann und dieses Boot für alle Vereinsmitglieder nutzbar ist und somit die Inklusion noch einen Schritt weiter voranzubringen. Ähnliche Überlegungen gibt es auch für die J70.


… bei unserem Regatta-Team, den Paulinas

Das St. Pauli-Logo flatterte erstmals bei einem Segelbundesliga-Event!

Drehender Wind, 0-3 Windstärken, bedeckter Himmel: Typische Alsterbedingungen beim 1. Tag des DSL-Pokals.

Der DSL-Pokal, am 17. und 18. Oktober 2020 auf der Außenalster ausgetragen, stellt den Qualifikationswettkampf für die deutsche Segelbundesliga dar. Zwei Segelvereine können sich hier jedes Jahr für die Teilnahme an der Segelbundesliga qualifizieren. Gesegelt wird zu viert auf baugleichen Kielbooten vom Typ J 70. Unser Ziel bei dieser Regatta bestand vor allem darin, Erfahrungen in einem hochkarätigen Regattafeld zu sammeln. Das Motto des Pokals: „Profi gegen Amateur“ kommt hier also voll zum Tragen. Unsere Devise lautete: Jedes Boot hinter uns ist wie ein erster Platz.

Als einziges Frauenteam unter 16 Crews starteten wir gut in den ersten Regattatag. Zu unserer Überraschung hatten wir in jedem Rennen ein oder mehrere Boote hinter uns. Bei absolutem Leichtwind konnten wir mit guten Manövern und gutem Bootsspeed während der Wettfahrten immer wieder vielversprechende Positionen im vorderen Drittel einnehmen. Und auch der Lerneffekt war hoch: Als wir uns in einem Rennen auf dem letzten Vorwindgang vorm Ziel anschickten, ein gegnerisches Boot zu überholen und auf den dritten Platz vorzufahren, gelang es unserem Gegner, durch ein kurzes Anluven uns einen Penalty (Strafkringel) zu geben, der uns auf den vorletzten Platz zurückfallen ließ. Darauf werden wir in Zukunft vorbereitet sein und daran arbeiten, die guten Positionen auch ins Ziel zu fahren und auch weiter zu üben, selbst die Regattaregeln zu unserem taktischen Vorteil zu nutzen. Dabei lautete unser Motto des Wochenendes ohnehin: „Sie hören von unserem Anwalt!“ – unserem Sponsoren, Rechtsanwalt Ole Hecht, bei dem wir uns ganz herzlich für die Unterstützung bedanken.

Am zweiten Tag hatte der Wind auf 5 Windstärken, in Böen 6 zugenommen. Was für uns am Tag vorher bei Leichtwind ein Vorteil gewesen war – nämlich unser geringes Crewgewicht als Frauenteam – sorgte nun dafür, dass wir ordentlich zu kämpfen hatten. Trotzdem gelang es uns, ohne größere Fehler im Bootshandling über den Kurs zu kommen. So kamen wir am Sonntag mit einem großen Strahlen im Gesicht vom Wasser. In den letzten drei Rennen tauchte zudem die J 70 „Jolly Roger“ der Segelabteilung des FCSP auf und hat uns an der Luvtonne mit einem lauten „ROAR“ und St. Pauli Fahnen nochmal ordentlich unterstützt. So einen Support konnte keines der anderen Teams aufweisen! 

 

 … innerhalb der Abteilung

Am 25. September 2019 stellten sechs Mitglieder bei der Abteilungsversammlung der Segelabteilung einen Antrag zur Änderung der Abteilungsordnung: aus einer hierarchischen Struktur mit Abteilungsleitung soll ein selbststeuernder Kreis werden – denn das ist die Arbeitsweise der Segelabteilung des FC St. Pauli schon seit langer Zeit!

Es wird eine Organisationsstruktur, die kreisförmig und nicht pyramidenförmig aufgebaut ist, geschaffen. In dieser Abteilungsstruktur ist es allen Abteilungsmitglieder möglich, sich einbringen zu können und an Entscheidungen/Beschlussfassungen direkt zu mitwirken. Die Entscheidungen werden in einem regelmäßigen monatlichen Plenum der Abteilung getroffen, bei dem alle Mitglieder gleichberechtigt stimmberechtigt sind. Zwischen den Plenumssitzungen koordinieren die Sprecher*innen der Arbeitsgruppen, die auf dem Papier formal bestehende Abteilungsleitung und alle interessierten Mitglieder die Arbeit der Abteilung. Das letzte Jahr haben wir bereits mit dem Plenum unsere Erfahrungen sammeln dürfen und am 30. September 2020 konnte bei unserer Abteilungsversammlung diese Änderung der Abteilungsordnung endlich offiziell in Kraft treten, nachdem einige Formulierungen durch die Unterstützung eines zugezogenen Anwaltes umgearbeitet werden mussten und hier und da noch etwas Klärungsbedarf bestand. Hier nochmal ein großes Dankeschön an Dich, Thomas Michael, dass Du uns hierbei stets unterstützt hast!

Nachdem die Boote Anfang November alle aus dem Wasser waren, sind wir in die Winterpause übergegangen. Diese verbringen wir jetzt sowohl damit unsere Fähigkeiten wöchentlich beim eSailing zu verbessern, unsere Boote zu reparieren und fit für die neue Saison zu machen, als auch Pläne für die neue Saison zu schmieden. Selbstverständlich digital – denn: „Nach der Saison ist vor der Saison!“ Auch ein Online-Quiz-Abend ist in Planung!

Bei Fragen rund ums Segeln (Schnuppersegeln, Segeln lernen, Segeln mit oder ohne Behinderung, Segeln auf der Alster oder auf dem Meer, regattainteressiert usw.) meldet Euch gerne per E-Mail an info@fcstpauli-segeln.de!