Im Blickpunkt Nr. 6
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Ein Blick zurück

 

“Wie viele Mitglieder wohl gleich da sein werden?”, fragte Christian und rutschte dabei unruhig auf einem der etwas schmoddrigen Vierersitze in der U3 Richtung Feldstraße/St. Pauli herum. Das zuckende Grinsen und die aufgerissenen Augen verrieten seine aufgeregte Freude, während wir uns zusammen von der U3 in Richtung Millerntor fahren ließen. “Mal sehen, wer sich noch so zur Wahl der neuen Abteilungsleitung aufstellen lässt. Aber ganz egal, wer da kommt, es kann kaum jemand geben, der Dich in Deiner Passion übertrifft”, griente ich auch etwas hibbelig zurück und sollte damit Recht behalten. Keiner von uns wusste, was uns gleich erwartete oder wie Vereinsleben und –kultur außerhalb von Fußballmanager 2005 funktionierte.  Das spielte an diesem nasskalten und bereits dunkelgrauen 24. September 2019 auch überhaupt keine Rolle. Wichtig war nur eines:  

BEACHVOLLEYBALL 


Über die Weiterentwicklung des Sportes in Hamburg auf Amateurebene entscheiden würden gleich eine unbekannte Anzahl an ungewohnt dick angekleideten Frauen und Männern, mal nicht in Bikini oder Shorts, die sich in den Fanräumen des Millerntorstadions zur Mitgliederversammlung der Abteilung Beachvolleyball trafen. 

Von Weitem, quer über den weitläufigen, kieseligen Parkplatz, erkannte man bereits einen gelben Fleck, der den Eingang zu dem – in diesem Moment noch unbekannten – Terrain, dem Fanraum, kenntlich machte. Wir kannten bis dahin doch nur Sand unter den Füssen, Meeresrauschen in den Ohren (stellvertretend dafür auch das Blätterrauschen der Bäume im Hamburger Stadtpark) und weiten blauen Himmel. Elisa, Oliver und Stefan mit seiner gelben Hamburger Schietwedder-Jacke warteten draußen, entspannt auf Stühlen sitzend, auf die Mitglieder der Abteilung und wiesen den Weg in den richtigen Fanraum. Die heiligen Hallen! Was für ein erhebendes Gefühl!

Die Riesenansammlung von Vereinsmitgliedern wurde es überraschenderweise nicht, somit konnte das Treffen im letzten Jahr schon Corona-konform stattfinden. Zwölf Personen, darunter Thomas Michael, Geschäftsleiter Amateursport, Jörn Sturm vom Amateurvorstand des FC St. Pauli, Pavel Andrasko als Wahlbeobachter, Oliver, zu dem Zeitpunkt Jugendkoordinator und kommissarischer Abteilungsleiter, Christian, Stefan, Elli, Vanessa, Noah, Consti, Sandra und Caro fanden zusammen. Oli berichtete über das vergangene Geschäftsjahr und die Ereignisse, welche die weitere Präsenz des gesamten Beachvolleyballs in Hamburg tangierte. Außerdem musste eine neue Abteilungsleitung her. Ab da kommen wir ins Spiel. Es waren gerade genügend Beacherinnen und Beacher anwesend, um beschlussfähig zu sein. So bekamen Christian Weder als Abteilungsleiter und Dr. Stefan Rößler  als stellvertretender Abteilungsleiter die Verantwortung für die Sparte Beachvolleyball. Anfänglich, aufgrund der fehlenden Vereinserfahrung gelegentlich noch ein wenig belächelt, ziehen die beiden Abteilungsleiter nach einem Jahr folgende erstaunliche Bilanz: 

  • 46 vierwöchige Trainingskurse für Jugendliche und Erwachsene 
  • 10 Turniere für Vereinsmitglieder
  • 1 ein Trainingscamp für Jugendliche am Elbstrand
  • 13 offene Spieltreffs namens “Zocken ohne Socken” mit über 450 Teilnehmer*innen

Das alles ließ sich, wie Du, liebe Leserin oder lieber Leser, vermutlich erahnen kannst, nicht allein von zwei paar Schultern stemmen – schon gar nicht neben zwei Hauptberufen, der bei den beiden studierten Physikern Christian und Stefan mal so gar nichts mit Sport und Vereinsleben zu tun hat, auch wenn sie flinke Arme mit kräftigen Beachvolleyballer-Händen dran und beide ein äußerst helles Köpfchen haben. 

Um die vielen Ideen und Visionen, angehen zu können, brauchte es zusätzlich noch viele willige, engagierte und kompetenter Hände: 

Ein ehrenamtliches Orga-Team, das sich sehen lassen kann:

24 Expert*innen (Stand November 2020) und Helfer*innen für die Bereiche:

  • Beachvolleyball-Training
  • Athletik-Training
  • Jugendarbeit
  • Turniere
  • Winterspaß Programm und Events
  • Sommerspaß Programm und Events
  • Equipment
  • Kassenprüfung
  • Internetseite
  • Merchandising
  • Kommunikation
  • Sponsoren

Im Laufe von nur einem Jahr haben unsere IT-Experten in der Orga-Crew unsere Internetseite auf allen Ebenen auf Vordermann gebracht, ein neues Buchungsportal für die Anmeldung zu Trainingskursen und Turnieren entwickelt, das weg von einer rein manuellen Bearbeitung jeder einzelnen Buchung hinzu automatisierten Verfahren führte. Das Bezahlsystem wurde erneuert und verfeinert. Von dem Moment an mussten unsere Mitglieder nicht mehr auf eine Abbuchung im nächsten oder übernächsten Quartal warten und raten, wann diese wohl erfolgen würde, sondern konnten ab diesem Zeitpunkt sofort überweisen, eine Rechnung erhalten oder die Trainingsgebühren über ihre AMEX oder Visa laufen lassen.

Um der ungebrochen hohen Nachfrage an Beachvolleyballtraining nachkommen zu können, fanden wir in atemberaubender Geschwindigkeit neue Trainerinnen und Trainer, die den Großteil unseres Trainingsangebotes belebt haben. Besonders Lima Gawor, unsere Jugendkoordinatorin und mittlerweile auch die Jugendreferentin des Hamburger Volleyballverbandes (HVbV) hat neben ihrer umfassenden Jugendarbeit eine Vielzahl an Trainingseinheiten für Fortgeschrittene gegeben. Als Ergänzung konnten qualifizierte Übungsleiter*innen, die bereits im Vorjahr für die Abteilung aktiv waren, bei einem externen Dienstleiter beauftragt werden. Um unseren eigenen Trainerstab noch weiter auszubauen und zu qualifizieren, besuchten serer Trainerenden Carola Dahlmann, Janis Bormann und Stephan Gehrhardt im Oktober den C-Trainer Lehrgang des HVbV.

Über den neu eingeführten Instagram-Kanal, der in diesem Monat den 800.Follower feiern darf, knüpften wir Kontakte zum Personal Coach “Hulk” Jasmin Nitz, die mit ihrem Angebot eines Athletiktrainings ziemlich unbekannte (und ungeliebte) Muskelpartien und Konditionsschwächeleien im Stadtpark auf der Wiese vor dem Planetarium heraus- und wegkitzelte. 

Sobald es ab September früher dunkel und etwas ungemütlicher wurde, machen sich Shorts und Bikini nicht mehr ganz so gut im Stadtpark, weshalb unsere Winterspaß Gruppe ein ausgefeiltes Winterprogramm an Athletiktraining in unserer neu zur Verfügung stehenden Halle in Schnelsen und auf den Indoor-Beachvolleyballfeldern im Beachcenter Hamburg auf die Beine gestellt hat. Klassischerweise hat eine Beachvolleyballabteilung mit Beginn des Herbstes und des Winters mit Mitgliederverlusten zu kämpfen. Ist ja auch ganz klar: Keine Sonne = Kein Beachvolleyball. Aber nicht mit uns und schon gar nicht mit unserer umwerfenden Beachcommunity. Seit unserem Neustart vor einem Jahr teilen sogar knapp 80 weitere Mitglieder unsere Passion für Beachvolleyball und der FC St. Pauli Vereinskultur. Ja, der Text trieft vor Stolz – Und das sind wir auch! 

Das war viel Arbeit und jeder Schweißtropfen, jede schlaflose Nacht und jeder übermüdete Morgen hat sich gelohnt. Dennoch freuen wir uns über weitere Unterstützung und freuen uns ganz besonders, Thomas Werner seit der letzten Mitgliederversammlung in 2020 als zweiten stellvertretenden Abteilungsleiter zu begrüßen. Schön, dass Du im Team bist, Thomas!

Allen anderen Abteilungen des FC St. Pauli von 1910 e. V. möchte wir Folgendes mitteilen: Schade, dass wir uns in diesem Jahr nicht auf der Sanktpauliade begegnen konnten. Aber das steigert nur die Vorfreude auf den Tag X, an dem die Sanktpauliade starten kann. Bis dahin kommt doch vorbei und besucht uns auf unseren Events, sobald diese wieder stattfinden dürfen – Wir freuen uns über jeden Sankt Paulianer Besuch!

You´ll never beach alone!