Im Blickpunkt Nr. 5
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VORSCHLAG ZUR SATZUNGSÄNDERUNG UND EINFÜHRUNG EINER QUOTE

VORSCHLAG ZUR SATZUNGSÄNDERUNG UND EINFÜHRUNG EINER QUOTE

Unsere Mitgliederversammlung 2019 hat einen gemeinsamen Beschluss verabschiedet, der die Förderung von Frauen in allen Gremien des Vereins behandelt. In dem Beschluss heißt es unter anderem: 


Das Präsidium wird daher damit beauftragt, bis zur nächsten Mitgliederversammlung (2020) einen vereinsöffentlichen Diskurs mit offener Beteiligung von Fanszene und Mitgliedern (beispielsweise in Form einer AG) zu ermöglichen, der zum Ziel hat eine geschlechtsparitätische Besetzung von Aufsichtsrat und Präsidium bei allen zukünftigen Wahlen zu erreichen. Etwaig nötige Satzungsänderungen sollen der Mitgliederversammlung 2020 vorgeschlagen werden. 


Als Folge haben wir die AG Diversität gegründet. Wir, das sind: Anna-Maria Hass (Antragstellerin), Christiane Hollander (Präsidium), Sandra Schwedler (Aufsichtsrat), Dr. Julia Schmid (stellv. Abteilungsleitung AFM)Suzann Edding (Ehrenrat), Carsten Balschat (Amateurvorstand) und Reyk Sonnenschein (Geschäftsstelle, Koordinator für Inklusion)  

Die AG hat sich im Januar 2020 zum ersten Mal getroffenVon Beginn an waren wir uns einig, dass eine wichtige Aufgabe der AG darin besteht, eine größtmögliche Beteiligung aller im Verein herzustellen.  


Begonnen haben wir Anfang Februar mit dem Workshop „Diversität in den Gremien des FCSP: Was heißt das für uns?“ Schwerpunkt des Workshops war es Informationen zum Thema Diversität im Verein zu geben. Besonders hilfreich war das Feedback der ca. 50 Teilnehmer*innen zur Gremienarbeit beim FC St Pauli, was Hürden sind und welche Erfahrungen es in Bezug auf Diversität gibt. 


Wie vieles anderes, wurden unsere weiteren Pläne dann durch die Corona-Pandemie über den Haufen geworfen. Während wir online in der AG weiterarbeiteten, waren Workshops in Person im März und April nicht möglich. Wir haben die Zeit auch genutzt, um uns noch intensiver mit Literatur und bestehenden Praxisbeispielen auseinanderzusetzen.  


Ab Mai verlegten wir die weiteren Austauschmöglichkeiten mit Mitgliedern und Interessierten dann ins Digitale: 

  • Unter dem Motto „Was macht ihr da eigentlich?“ haben sich in drei Info-Veranstaltungen Präsidium, Aufsichtsrat, AFM-Leitung, EhrenratAmateurvorstand und Abteilungsleitung Triathlon per Videokonferenz vorgestellt und ihre alltägliche Arbeit erklärt sowie Fragen beantwortet. 
  • In einem weiteren Workshop „Männlich, weiß, deutsch oder geht das auch anders?“ haben wir ebenfalls online besprochen, was wir tun müssen, um den momentanen Status zu ändern. 
  • Im Juli und August haben wir eine Umfrage durchgeführt, an der über 1.350 Personen teilgenommen haben.  

Vielen Dank an alle die sich in den Workshops, Online-Veranstaltungen und der Umfrage mit so viel Engagement und Motivation beteiligt haben. 


Parallel zu diesen zahlreichen Diskussions- und Austauschformaten haben wir uns mit Expert*innen ausgetauscht und viele Studien gelesen, um weitere Impulse für die Umsetzung des MV-Beschlusses zu erhalten. Anhand eurer Ideen, Anregungen, Feedbacks und Erfahrungen haben wir einen Vorschlag zur Umsetzung des MV-Beschlusses entwickelt: Wir werden der Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung vorschlagen, die eine feste Frauenquote für die Wahl der Gremien vorschlägt. 


Diesen Vorschlag haben wir wiederum mit vielen verschiedenen Gremien sowie Mitgliedern diskutiert: Präsidium, Aufsichtsrat, Ehrenrat, AFM, Amateurvorstand, Delegiertenversammlung der sporttreibenden Abteilungen, Wahlausschuss, STFA und Fanladen sowie zahlreiche Einzelpersonen haben mitdiskutiert, verbessert und beratschlagt. Im September gab es außerdem einen weiteren Workshop mit Mitgliedern, um sich auch hier über den Entwurf auszutauschen. Das jeweilige Feedback ist immer wieder in den Entwurf eingeflossen. 


Ergebnis ist nun ein neuer Paragraph für die Vereinssatzung. Dieser neue Paragraph legt eine Quote für die Gremien des Vereins fest und regelt, wie dies bei zukünftigen Wahlen umzusetzen ist. 


Diese Satzungsänderung wird – vorbehaltlich der Zustimmung des Finanzamtes auf der Mitgliederversammlung 2020 zur Abstimmung stehen. 75 Prozent der stimmberechtigten Teilnehmer*innen der Mitgliederversammlung müssen für einen satzungsändernden Antrag stimmen, damit dieser angenommen wird. 


Eckpunkte des Vorschlags zur Satzungsänderung: 

  • Bei der Wahl der Mitglieder des Aufsichtsrats, des Ehrenrats und des Wahlausschusses sind entsprechend des prozentualen Anteils der weiblichen Vereinsmitglieder Frauen zu wählen, mindestens aber 30 %.  
  • Es wird bis auf zwei Nachkommastellen gerundet. Bis 0,49 wird abgerundet, ab 0,50 wird aufgerundet. 
  • Bei Wahlen zu den genannten Gremien gelten die Kandidat*innen mit den meisten Stimmen als gewählt.  
  • Sollte dies nicht zu der notwendigen Repräsentanz nach Nr. 1 führen, so gelten so lange die Frauen mit den meisten Stimmen als gewählt, bis die Repräsentanz gegeben ist.  
  • Auch bei Nachwahlen muss die Repräsentanz erreicht werden.  
  • Finden sich bei einer Wahl nicht genügend weibliche Kandidatinnen, so ist nach § 19 Nr. 1 Satz 4 analog zu verfahren.  
  • Die/der Präsidentschaftskandidat*in muss in der Auswahl der Vizepräsident*innen die Repräsentanz gemäß § 16 a beachten. Mit Zustimmung des Aufsichtsrates kann davon abgewichen werden. 

Mit der Einführung einer Quote ist es nicht getan. In den nächsten Monaten werden flankierende Maßnahmen starten und durchgeführt, um genug passende Kandidatinnen zu finden 

Da wir im letzten Jahr bereits viel Erfahrung sammeln konnten, was Fragen zu Diversität und Quote betrifft, möchten wir hier ein paar für euch beantworten:  


Warum braucht es eine Quote? Sollten wir als FC St. Pauli das nicht so hinbekommen? 

Wir regeln Dinge hier anders; solidarisch, empathisch und verantwortungsvoll. Es wäre schön, wenn wir die Quote nicht bräuchten.  Fakt ist aber: Wir leben nun mal nicht isoliert von unserer Umwelt. Bis heute sind Frauen in Führungspositionen auch bei uns eher die Ausnahme. Gerade der Profifußball ist extrem männlich geprägt. Davon können auch wir uns nicht frei machen. Die Quote ist ein Bekenntnis dazu, dass wir Diversität in unseren Führungspositionen wollen. Ein Bekenntnis dazu, dass uns die Gleichbehandlung von Frauen und Männern wichtig ist. 


Frauen konnten sich doch schon immer wählen lassen. Dafür braucht es keine Quote. 

Ja klar, konnten sich Frauen schon immer für jeden Posten bewerben und wählen lassen. Eine Vielzahl von Rückmeldungen hat uns gezeigt, dass viele Frauen sich nicht sicher sind, ob sie willkommen sind. Die Quote ist ein klares Zeichen an interessierte Frauen, dass ihre Beteiligung und Mitsprache uns wichtig sind.  


Werden dann Frauen nicht allein aufgrund ihres Geschlechts und nicht aufgrund ihres Könnens in ein Gremium gewählt? 

Fakt ist: Momentan findet eine Auswahl aufgrund des Geschlechts bereits statt, nur dass es eben Männer sind, die davon profitieren. Dies passiert häufig unbewusst und unbeabsichtigt: . Männer wählen häufiger Männer, Männer fördern häufiger Männer, Männer netzwerken häufiger nur mit Männern, usw. Aber auch Frauen wählen eher Männer.  


Es gibt viele Männer, die nicht kompetent genug sind und allein, weil sie Männer sind, auf ihren Posten gekommen sind.  Soll heißen: Klar könnte durch die Quote auch eine Frau gewählt werden, die nicht so gut geeignet ist für den Job. Das ist unwahrscheinlich, könnte aber passieren. Das lässt aber keinen Rückschluss auf alle Frauen zu. Wie es auch jetzt keine Schlüsse auf alle Männer zu lässt.  Um es mit Heidi Kabels Worten zu sagen: „Die Emanzipation ist erst vollendet, wenn auch eine völlig inkompetente Frau in eine Führungsposition gewählt wird.“ 


Warum liegt die vorgeschlagene Quote bei 30 Prozent? 

Wir haben eine Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten, woran wir die den Anteil weiblicher Mitglieder in den Gremien koppeln, diskutiert und in der Umfrage auch die Mitglieder nach ihrer Präferenz befragt Aktuell haben rund 25 Prozent unserer Mitglieder bei ihrem Mitgliedsantrag das weibliche Geschlecht angegeben. Wir sind mit diesem Anteil weiblicher Mitglieder insgesamt nicht zufrieden und wollen diesen Anteil erhöhen.  


Nach der Auswertung der Umfrage und durch unsere Diskussionen sind wir deshalb auf den Vorschlag gekommen:  Ein Anteil von mindestens 30% Frauen in den Gremien. Steigt die Zahl weiblicher Mitglieder im Verein, kann auch der Anteil der Frauen in den Gremien steigen. Die 30% Quote ist ein Zeichen dafür, dass wir insgesamt mehr Frauen im FC St. Pauli haben wollen, gerade auch in Führungspositionen.  In unserer Umfrage lagen die beiden Vorschläge, 3Prozent oder an den Anteil der Mitglieder gekoppelt nahezu gleich auf. Gefolgt von einer 50 Prozent-Quote.  


Was ist, wenn sich nicht genügend Frauen finden, die sich zur Wahl aufstellen lassen? 

Eine Quote allein ist nicht die Lösung, weshalb wir auch nach der Mitgliederversammlung die Arbeit der AG fortführen wollen. Insgesamt ist eine Veränderung der Kultur beim FC St. Pauli nötig, und wir müssen auch weiterhin kritisch betrachten, ob wir einen Ort bieten an dem Frauen und Männer sich gut und gern engagieren können. Die mögliche Situation, dass es bei einer Wahl nicht ausreichend Kandidat*innen für ein Amt gibt, gibt es unabhängig davon, ob wir eine Quote einführen oder nicht. Unsere Satzung sieht für diesen Fall vor, dass Amateurvorstand, AFM-Vorstand und Ehrenrat dazu aufgefordert sind, geeignete Kandidat*innen vor der jeweiligen Wahl zu identifizieren Diese Regelung findet sich bereits jetzt in der Satzung. Weshalb wir in unserer Satzungsänderung auf den entsprechenden Paragraph 19 verweisen. 


Warum habt ihr nur eine Quote für Frauen geregelt, wo ist divers? 

Das stimmt. Wir hätten gerne eine Regelung gefunden, die nicht nur die Geschlechterparität mit einbezieht, sondern über ein binäres Geschlechterverständnis hinausgeht. Das in eine juristische Form zu gießen, die nicht stigmatisiert und mit dem Wahlrecht unseres Vereins vereinbar ist, ist allerding extrem schwierig. Leider haben wir bis jetzt auch keine geeigneten Vorbilder in anderen Vereinen gefunden, an denen wir uns hätten orientieren können. 


Wir sehen es daher soDiese Quotenregelung ist ein Anfang. Sie regelt die Gleichbehandlung für 25 Prozent unserer Mitglieder sowie die Hälfte unserer Gesellschaft. Und wer weiß, vielleicht ist der Anstoß durch diese Neuregelung groß genug, dass auch Diversität über ein binäres Geschlechterverhältnis hinaus normaler wird. Und das Geschlecht ist ja auch nicht das einzige Thema, bei dem wir in Bezug auf die Diversität unserer Gremien noch Nachholbedarf haben. 

 

Habt ihr weitere Fragen? 

Ihr könnt uns gerne kontaktieren. Schreibt uns einfach auf agdiversitaet@fcstpauli.com 

 

 



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