Im Blickpunkt Nr. 4
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DIE SEGELABTEILUNG NIMMT WEITER FAHRT AUF

Kinder- und Jugendbereich

Während der diesjährigen Sommerferien haben 20 Kinder und Jugendliche bei verschiedenen Wochenkursen auf der Alster und Elbe den Segelsport für sich entdeckt. Die Jüngeren stachen mit Optis in See und unsere Jugendlichen machten mit Piraten, einer größeren Jolle für zwei Personen, die Gewässer unsicher.

Von absoluter Flaute und Sonnenschein auf der Alster und reichlich Wellengang auf der Norderelbe mit Windböen um Windstärke 6 haben die Kinder und Jugendlichen auch segeltechnisch alles erleben können. Vor allem die Kurstage an der Elbe wurden jedes Mal mit einem intensiven Kenter- und Schwimmtraining beendet. 

 

Besonders freuen wir uns darüber, dass die Optisegler*innen während der Ferienkurse schon so großes Talent zeigten, dass 13 Kinder erfolgreich die Prüfungen zum Jüngstensegelschein absolvierten. Ohne Ausnahme möchten alle unsere diesjährigen Ferienkursteilnehmer*innen regelmäßig den Segelsport ausüben, was uns natürlich noch mehr freut und sehr für diesen großartigen Sport spricht. Für August, September und Oktober sind noch weitere Segeltermine auf der Elbe geplant. 

Und wenn sich im Oktober die Segelsaison langsam dem Ende neigt, stellt die Segeljugend ein tolles Rahmenprogramm für all unsere Kinder und Jugendlichen in der „segelfreien“ Zeit auf die Beine: Fest geplant sind zum Beispiel eine Besichtigung der Schleuse in Brunsbüttel oder maritimes Basteln.

Erwachsenenbereich

Ein Erfahrungsbericht: „Mein Name ist Sabina und seit ein paar Monaten sind mein Freund Stefan und ich nun Mitglied in der Segelabteilung vom FC St. Pauli. Wir haben uns sehr gefreut, als die Info kam, dass Anfang Juli ein fünftägiger Kurs stattfinden soll, bei dem man die Grundlagen des Jollensegelns erlernen kann. Voller Elan haben wir uns angemeldet und sind auch direkt losgestiefelt, um uns im Fachhandel eine Schwimmweste zu kaufen. Naja, eine Schwimmweste haben wir gedacht. Da wird es wohl nicht so viele geben. „In der orangenen hier, da können Sie selbst im Koma liegend im Wasser sein, da passiert Ihnen nichts“ hat die nette Verkäuferin gesagt. „Prima, dann sind wir auf der sicheren Seite“, und schon standen wir mit den beiden dicken, neonorangenen Westen an der Kasse. Vielleicht hätten wir doch eine Überlegung mehr an die weniger auffälligen Westen verschwenden sollen, die die übrigen Teilnehmer*innen und eigentlich alle anderen Segler*innen anzuhaben scheinen. Das war jedenfalls mein erster Gedanke, als ich mit der orangenen Weste am ersten Tag des Segelkurses am Steg stand. Und nachdem Achim, einer der Segeltrainer, uns dann noch grinsend fragte, warum wir uns eigentlich Rettungswesten und Schwimmwesten gekauft haben, war alles klar. Aber davon ließen wir uns nicht unterkriegen. Also rauf aufs Wasser!            
  

Sechs Teilnehmer, drei Jollen und drei verschiedene Trainer an fünf Tagen á drei Stunden – das war unser Kurs. Da Stefan und ich beide wirklich absolute Anfänger waren, wurde (völlig zu Recht) entschieden, dass wir gemeinsam mit einem Segellehrer aufs Wasser gehen sollten. Enno stieg also mit uns auf den Piraten und ich bin nicht sicher, wer zwischenzeitlich mehr Angst hatte, ins Wasser zu fallen. Aber er hat uns an den ersten beiden Tagen sicher vor dem Kentern gerettet und uns die erste Nervosität genommen. Hätte man mir am Montag gesagt, dass ich bereits Dienstag mit vollem Körpergewicht aus dem Boot hänge, um das Gewicht auszugleichen, hätte ich es wohl nicht geglaubt. Aber genau so war es. Füße unter den Gurt und ab nach hinten lehnen und schon hat das Boot nicht mehr so eine Schieflage. Enno hat uns bis zum Saisonende steinharte Bauchmuskeln versprochen – ich bin gespannt ;)

An Tag drei ging es weiter mit Achim. Neuer Lehrer, neue Dinge lernen. Klasse dachte ich. Achim hatte direkt Spaß, als ich ihm erklärte, dass ich wohl eher der VW Käfer unter den Seglern bin und nicht so zur Ferrari-Fraktion gehöre. Er gab sich also alle Mühe, ruhig mit uns die Alster auf und ab zu segeln. Viele hilfreiche Tipps, ein paar Erfahrungsberichte und immer die Erklärung, wie wir gerade zum Wind segeln. Also immer wieder der Blick nach oben, zu dem kleinen roten Fähnchen, äh Verklicker, meine ich. Der hilft einem wirklich sehr zu sehen, ob man jetzt gerade am Wind, am halben Wind oder vor dem Wind segelt. Und so ging es weiter: Anluven, abfallen, aufpassen, dass die Segel nicht killen, wenden, Großschot dichtholen… Das kannten wir alles schon. Als Achim dann meinte „und nun eine Q-Wende“ hat uns das dann doch wieder gezeigt, dass wir noch nicht so viel Ahnung haben. Dass der Unterschied eigentlich nur der ist, wie das Boot zum Wind steht und wie man entsprechend wendet, war mir dann später erst klar. Die zwei Stunden auf dem Wasser vergingen wie im Fluge und haben wieder richtig Spaß gemacht. Mit Achim lernten wir später auch noch einige Knoten. Achtknoten, Palstek, Webeleinstek Kreuzknoten. Das ist doch schon mal was für den Anfang. Die Lernkurve ist steil, das muss man echt sagen. 

Tag vier, windstill. Da können wir ja alleine aufs Wasser. Das klappt soweit auch ganz gut. Wenn man denn segelt. Windstill ist nämlich schön und gut. Wenn man aber noch nicht so recht weiß, wie man nun überhaupt mal Fahrt aufnimmt, dann ist man eher ein VW Käfer mit Motorschaden. Aber nach einiger Zeit des Wartens kam dann endlich die erhoffte Windböe und wir nahmen langsam Fahrt auf. So schipperten wir entspannt einige Zeit hin und her, übten die Wenden und fanden, dass wir das eigentlich schon ganz gut machten. Der Mann auf dem Boot neben uns sah das anders. Sicher nett gemeint, aber ungefragt, gab er uns privaten, aber leider auch lautstarken Einzelunterricht. Zum Glück hatte er kein Megafon dabei, wobei das in das irgendwie peinliche Szenario gepasst hätte. Die Situation war so merkwürdig, dass ich zwischendurch richtig lachen musste. 

Am Freitag waren wir recht optimistisch, da es den Tag vorher ja ganz gut geklappt hat. Allerdings war am Freitag auch viel mehr Wind. Die erste Hälfte versuchten wir unser Glück allein, das war abenteuerlich bei all dem Wind und wir freuten uns doch sehr, als dann Dominic – Trainer Nummer drei – in der zweiten Hälfte mit uns aufs Boot ging. Auch von ihm lernten wir nochmal hilfreiche Dinge, verstanden nochmal mehr, wie das Boot reagiert, wenn man mit dem Segel auf den Wind reagiert. Dominic kam dann auf die Idee, bei dem Wind zum Abschluss noch unsere erste Halse mit uns zu üben. Ich gehe jetzt nicht weiter darauf ein, wie gut die geklappt hat und halte es mal kurz: Die müssen wir noch ein paar Mal üben. 

Die Woche hat super Spaß gemacht und tatsächlich hat man mich bereits am folgenden Dienstag wieder auf dem hübschen St. Pauli-Piraten auf der Alster sehen können. Wir haben in den fünf Tagen richtig viel gelernt, gelacht und sind jeden Abend müde, aber glücklich eingeschlafen. Für alle, die noch überlegen. gebe ich also eine klare Handlungsempfehlung: Rauf aufs Boot, ihr werdet eure Freude daran haben.“ 

Wir sagen ein herzliches Dankeschön an die Firma ScanSail! www.scansail.de. Sie ermöglichen uns durch ihre finanzielle Unterstützung solche Kurse und einiges mehr umsetzen zu können!

Bei Fragen rund ums Segeln (Schnuppersegeln, Segeln lernen, Segeln mit oder ohne Behinderung, Segeln auf der Alster oder auf dem Meer, regattainteressiert usw.) meldet Euch gerne unter info@fcstpauli-segeln.de!