Im Blickpunkt Nr. 2
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Die Inklusiv-Segelnden der Segelabteilung „inkludieren“ sich!

In der Inklusions-AG der Segelabteilung lief es in der letzten Saison irgendwie besser und schneller als alle Planungen. Als wir uns um die gleiche Zeit im letzten Jahr trafen und die neue Saison besprachen, dachten wir, es würde wieder so weiter gehen mit Schnupper-Veranstaltungen und Inklusiven Teamtrainings.

Es war uns allen klar, dass unsere Ausgangslagen sehr unterschiedlich waren (und sind). Das hält uns aber bekanntlich nicht ab. Wir nehmen alle segelbegeisterten Menschen auf - unabhängig vom Bestehen oder Nichtbestehen einer Behinderung, vom (seglerischen) Bildungsgrad oder von sonstigen Kriterien. Wer sich im Segelsport ausprobieren möchte und neue Erfahrungen machen möchte, ist bei uns willkommen.

So sind bei uns Menschen mit vielen Jahren seglerischer Erfahrung immer wieder mit „Erstlingen“ auf dem Boot. Wir geben unsere jeweiligen Erfahrungen weiter und erweitern unseren Horizont in allen Bereichen. Wenn die Beteiligten Einschränkungen mitbringen, finden wir einfach kreative Lösungen, um den Segelsport allen Menschen nahebringen zu können: Wer nicht sehen kann, muss taktil geschult werden, wer nicht laufen kann, kann alles aus den Sitzen lernen und wer langsamer denkt, bekommt mehr Zeit. Mit dieser Herangehensweise sind wir inzwischen zu einer echten Gemeinschaft geworden.

Anfang 2020 kam es aber auch für uns so anders, als Mensch hätte planen können. Die Pandemie hat uns gezwungen, alle Schnupper-Angebote, mit denen auch Außenstehende angesprochen werden sollten, auszusetzen. Wir durften nur mit Mitgliedern auf die Alster, was nicht immer sehr einfach ist, weil wir naturgemäß auch Unterstützende brauchen, die uns auf dem Steg helfen oder Zureichungen machen. Wir sind unseren Unterstützenden so dankbar, dass diese zum Teil auch die eigenen seglerischen Wünsche zurückgesteckt haben, damit die eingeschränkten Segelnden raus aufs Wasser konnten. An dieser Stelle ein kräftiges „DANKE“ von uns an unsere Supportende! Ihr seid die Besten!

Aber 2020 hat uns auch positiv überrascht. Im Jahr 2020 kamen die ersten S\V14 auf die Alster, eine neue Bootsklasse, bei der zwei Sitze hintereinander angebracht sind, so dass auch diese Boote von zwei gehbehinderten Segelnden genutzt werden können. Alles, außer dem Setzen der Segel kann ohne Support erfolgen. Die Boote sind toll, auch wenn sie noch kleine Kinderkrankheiten haben. Und mit dieser Bootsklasse wurde es dann auch sehr turbulent für die Inklusiv Segelnden, denn plötzlich gab es Regatten, bei denen wir mit den S\V14 antreten konnten - und das wollten wir auch.

An dieser Stelle bedanken wir uns gerne auch bei dem Hamburger-Segel-Club (HSC), der uns seine S\V14 mit dem treffenden Namen „All-Inclusive“, kostenlos zur Nutzung zur Verfügung gestellt hat und beim Norddeutschen Regatta-Verein (NRV), der neben der kostenfreien Nutzung der dortigen S\V14-Boote auch eine Trainingszeit mit MoBo-Unterstützung ermöglichte.

So haben wir mit mehreren Teams am Helga-Cup (zwei Frauen - mindestens eine mit Behinderung) und am Helga-Hard-Cup (ein Mann und eine Frau - mindestens eine Person mit Behinderung) teilgenommen. Und wir in der Inklusions-AG wären nicht wir, wenn wir nicht auch Teams mit zwei Menschen mit Behinderung gebildet hätten, weil auch dies ja sehr gut möglich ist. Diese ersten Regatten haben uns so viel Erfahrungen gebracht, unsere Grenzen nach oben verschoben und die AG-Aktiven noch näher zueinander gebracht. Es war großartig.

Damit war das Jahr 2020 aber noch lange nicht zu Ende. Nach den ersten Regatten wurde ein weiteres Event geboren. Die 1. Inklusions-WM fand auf der Alster statt. Drei von uns inklusiv Segelnden in unterschiedlichen S\V14 Teams an den Start - die anderen unterstützten nach Kräften, denn für uns ist es nur natürlich, dass auch Menschen mit Behinderung den Support bei der Inklusions-WM übernahmen; alle tun bei uns, was sie können. Die WM endete sogar mit der Bronze Medaille für unsere Vorschoterin Silke Fossek und vielen Erfahrungen für alle. Seitdem sind alle noch viel mehr vom Segel-Fieber gepackt.

Und jetzt 2021: Planen wir, neben den Alsterangeboten und den Teilnahmen an mehreren Regatten auf der Alster und in anderen Revieren ein weiteres neues Saisonprojekt. Aus einem Workshop im NRV für Menschen mit Sehbehinderung (5 Teilnehmende des FCSP) heraus, wurde die Idee entwickelt die Kieler Woche zu inkludieren.

Zusammen mit einem weiteren Team vom Gehörlosen-Sportverein, wird es ein Inklusives Team, mit zwei Sehbehinderten Seglern aus der FCSP Segelabteilung geben, welche auf der Kieler Woche in der J70-Klasse mit an den Start gehen.

Wir sind begeistert von dieser Möglichkeit und unterstützen unser „Bat Sailing Team“.

Auch wenn wir nicht mit einem Spitzenplatz rechnen können so geht es in diesem Projekt wieder um das, was uns immer antreibt: Alle sollen nach Kräften, unabhängig ob mit oder ohne Behinderung, Spaß am Segelsport haben, Erfahrungen machen und Grenzen nach oben verschieben. 

Abschließend möchten wir euch weiterhin einladen: wer Lust hat, uns kennen zu lernen oder mit uns mal auf die Alster zu gehen, sei eingeladen, sich an die Inklusions-AG (inklusion@fcstpauli-segeln.de) zu werden.

Wir stecken gern interessierte Menschen mit unserem Enthusiasmus an!

Bis dahin bleibt alle gesund.

FORZA  

Text: Nadine Löschke/InklusionsAG der FCSP Segelabteilung

Fotos: Anja Düvel

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